Die besten Jugendfotos 2022 aus der Oberpfalz

Glückwunsch an alle Gewinner:innen des 7. Jugendfotopreises Oberpfalz

Regensburg. Am 07. Mai 2022 wurden im W1 – Zentrum für junge Kultur die Preisträgerinnen und Preisträger des 7. Jugendfotopreises Oberpfalz 2022 ausgezeichnet.

In einem Wettbewerb mit 105 eingereichten Fotos setzten sich in drei Alterskategorien insgesamt neun Gewinnerbilder, pro Alterskategorie drei Publikumspreise und eine lobende Erwähnungen durch.

Thema des Jugendfotopreises Oberpfalz 2022 war „Heute.Gestern.Morgen“.

 

Verliehen wurden die Preise von Richard Gaßner (Kulturreferent des Bezirk Oberpfalz), Philipp Seitz (Vorsitzender des Bezirksjugendrings Oberpfalz), Martin Merkl (Vorstand Bezirksjugendring Oberpfalz) und Katrin Eder (Medienfachberaterin für den Bezirk Oberpfalz) sowie den Jurymitgliedern Annika Schendera, Benedikt Aigner, Miriam Ferstl, Martin Rosner und Dominik Huber.

 

Alterskategorie 14 – 17 Jahre

 

1.Platz: „SAUDADE“ von Vanessa Segerer aus Amberg

 

 

 

 

 

 

 

 

Jurybegründung:

Das portugiesische Konzept der „Saudade“ lässt sich mit „Sehnsucht“, „Heimweh“, „Fernweh“ oder „sanfte Melancholie“ nur annähernd übersetzen. Vanessa hat mit ihrem Bild nicht nur diese Stimmung auf den Punkt getroffen, sondern auch unser Wettbewerbsthema „heute.gestern.morgen“.

Denn das Bild entfaltet eine starke Dynamik. Es zieht die Betrachter:innen in den Bann und spiegelt wortwörtlich das Vorbeischwinden der Zeit wider.

Vanessa erzählt in ihrem Bild von einem konkreten persönlichen Moment während einer der vielen Fahrten mit dem ÖPNV – und doch lässt es viel Raum für Spekulation und Assoziationen.

Volle Punktzahl gibt es auch für die grafische Gestaltung, vor allem die Komplementärfarben in rot und grün funktionieren sehr gut. Das Bild von Vanessa Segerer fesselt. Wir ziehen den Hut und gratulieren zum 1.Platz der Alterskategorie 14-17 Jahre.

 

2.Platz: „MEIN WEG“ von Anna Kaminski aus Brennberg

 

 

Jurybegründung:

Anna Kaminski nimmt uns mitten in der Nacht mit auf einen Hochsitz. Der Hochsitz ist für uns ein typisches Symbol für die Oberpfalz – aber auch ein Rückzugsort und Heimat.

Die Bildergeschichte „Mein Weg“ nimmt uns mit auf ihren Lebensweg, der von unserem Sternenhimmel begleitet wird. Die technische Umsetzung dieser Nachtaufnahme ist von hohem Niveau. Obwohl die Inszenierung der Geschichte zunächst etwas eindimensional erscheint, lässt uns der Sternenhimmel träumen. Die subtile Art der Bildsprache hat uns überzeugt – Die ausführliche Bildbeschreibung wäre gar nicht nötig gewesen.

Anna Kaminski sind atmosphärisch dichte Aufnahmen entstanden, die Raum für weitere Entdeckungen bieten: Was verbirgt sich hinter dem Wald? Ist es eine Stadt, die leuchtet oder ist es ein Sternennebel?

Auch die bewusste Entscheidung den Vordergrund dunkel zu halten und sich somit nicht in den Fokus des Bildes zu setzen, zeigt, dass sich die Fotografin als Teil der Geschichte, als Teil des Nachthimmels sieht. Diese bemerkenswerte künstlerische Entscheidung würdigen wir mit dem 2.Platz. Wir sind uns sicher, dein fotografischer Weg geht weiterhin steil nach oben, Anna!

 

3.Platz: „IN DEN FESSELN DER ZEIT“ von Amelie Weigl aus Sulzbach-Rosenberg

 

Jurybegründung:

„Heutzutage hetzt jeder von einem Termin zum anderen und schaut, dass man immer möglichst viel erledigen kann.“ beschreibt Amelie Weigl aus Sulzbach-Rosenberg in ihrer gleichnamigen Bilderserie die „Fesseln der Zeit“.

Nicht nur das Fotomodell wird gefesselt, die Bilder fesseln auch uns. Denn wir haben sofort den persönlichen Ansatz und die kreative Beschäftigung mit dem Thema gespürt.

Gut hätten wir gefunden, wenn das Seil im ersten Bild tatsächlich etwas fester geschnürt und der Hintergrund des zweiten Bildes weniger detailliert geworden wäre, um das Motiv mehr in den Vordergrund zu rücken.

Großartig dagegen finden wir andere Details:  Der charmante Farbton, der an analoge Fotografie erinnert. Der blaue Himmel im zweiten Bild, der Freiheit verkörpert. Oder das Schattenspiel des ersten Bildes, das einen Horizont genau auf der gleichen Höhe im zweiten Bild bildet. Somit wird die Geschichte komplett. Herzlichen Glückwunsch zum 3.Platz!

 

Publikumspreis: „ZUHAUSE“ von Emil Hladik aus Regensburg

 

 

Alterskategorie 18 – 21 Jahre

 

1.Platz und Publikumspreis: „KINDHEITSTRAUM“ von der Jugendfeuerwehr aus Grafenwöhr

Jurybegründung:

Für die einen ist es ihr Beruf, für die anderen eine ehrenamtliche Herzensangelegenheit. Das Motiv verdeutlicht, mit welchen Herausforderungen heute, gestern und auch morgen eine Feuerwehr zu kämpfen hat, um Menschenleben zu retten.

Die Grafik und die Dramaturgie des Bildes sind schön inszeniert und unterstreichen die Aussage. Die Bildkomposition ist sehr stimmig: Der Feuerwehrschlauch führt den Betrachter durch die Geschichte, das Mädchen ist im „Goldenen Schnitt“ positioniert.

Der Kindheitstraum eines kleinen Mädchens, der sich mit der Zeit realisiert, trifft nicht nur inhaltlich genau das Wettbewerbsthema dieses Jahres, sondern gibt anderen Mädchen Mut, ihren Traum zu verfolgen und veraltete Geschlechterrollen hinter sich zu lassen.

Das Bild ist eine gelungene Momentaufnahme, die heftig ist und zugleich berührt. Vor allem dafür landen die Jugendfeuerwehr Grafenwöhr und Johannes Pappenberger ganz oben auf dem Siegertreppchen. Wir gratulieren zum verdienten 1. Platz!

 

2. Platz: „JAGD AUF NEUE ZEITEN“ von QUIRIN WITTMANN aus Regensburg

Jurybegründung:

Quirin Wittmann aus Regensburg lässt uns teilhaben an seiner „Jagd auf neue Zeiten“. Die geheimnisvolle Hütte ist kurz davor, von der Sonne angeleuchtet zu werden. Dadurch ergibt sich eine sehr spannende Lichtstimmung. Der erdfarbene Dunst, der nach oben steigt, erzeugt eine monotone Unendlichkeit. Die nicht gerade, sondern konvexe Linie des Horizonts verleiht dem Bild eine besondere Note.

Das Spiel von Hell und Dunkel verbildlicht das Thema Zeit sehr gut. Dafür zeichnen wir das Bild mit dem 2. Platz aus. Herzlichen Glückwunsch!

 

3. Platz: „DAS GEFÄNGNIS“ von Ferdinand Koch aus Amberg-Sulzbach

Jurybegründung:

Die hohen Häuserschluchten vermitteln sofort ein beängstigendes, heftiges Gefühl. Man befindet sich in einem grauen Sog aus Beton. Kein Himmel, keine Landschaft, nur Wand und Person. Der Kontrast zwischen den Ornamenten rechts und dem eher modernen Komplex im Hintergrund mit den gefühlt unendlichen Wiederholungen der Quadrate verbindet zwei Welten der Architektur in einem Bild. Der Schwarz-weiß-Effekt unterstreicht das alles.

Nicht nötig gewesen wäre aus unserer Sicht die Rotfärbung des Kleides, da sie zu stark den Fokus auf die Frau lenkt. Das wirkt widersprüchlich. Darum haben wir über das Bild „Das Gefängnis“ von Ferdinand Koch am längsten diskutiert.

Trotzdem transportiert das Bild ein starkes Gefühl von Unendlichkeit, dass wir nicht anders können als es mit einem Preis zu würdigen. Herzlichen Glückwunsch, Ferdinand!

 

 

Alterskategorie 22 – 26 Jahre

 

1. Platz: „WANN IST JETZT“ von Magdalena Leibl aus Kallmünz

Jurybegründung:

Die Zeit an sich ist ein abstraktes, jedoch sinnvolles Konstrukt. Sie auch als solches zu visualisieren ist fast unmöglich, doch Magdalena Leibl schafft dieses Kunststück mit ihrer Bilderserie „Wann ist jetzt?“.

Das Spiel mit den Schatten und der Kontur eines Menschen erzeugt einen Sog, von dem man sich nur schwer abwenden kann. Auch dass hier mit fotographischen Mitteln eine derartige Abstraktion erzielt wurde, ist sehr interessant. Es existiert kein Anfang oder Ende. Genau wie die Zeit wirkt der Inhalt kaum greifbar sondern zufällig.

Magdalena Leibl stellt die Zeit nicht über Umwege, sondern direkt dar. Ihre Bilder strotzen vor poetischer Klasse und fotografischem Können. Das schreit für uns nach Platz 1 in der Alterskategorie 22 bis 26 Jahre. Gratulation!

 

2. Platz: „WIRTSHAUSKIND“ von Nadine Siegert aus Pilsach

Jurybegründung:

„Diese Wirtsstube ist seit über 150 Jahren in unserem Familienbesitz. Hier bin ich aufgewachsen. Zwischen Bierdeckeln und Hefeweizen. Lauten Diskussionen und lautem Lachen. Schafkopf und Schnupftabak. Vor der Tür steht das Wirtshaussterben. Und meine Schwester und ich. Wir werden sehen, was das Morgen bringt.“ So beschreibt uns Nadine Siegert aus Pilsach, was sie als „Wirthauskind“ bewegt.

Nadine zeigt mit diesen wenigen Zeilen, dass sie nicht nur mit Bildern sondern auch mit Worten einfühlsam erzählen kann. Mit klarer und aufgeräumter Bildsprache schafft sie es, jedes kleinste Detail liebevoll ins Licht zu rücken, wie zum Beispiel die alten und doch gepflegten Stühle oder der blitzeblank gebohnerte Linoleumboden. Auch der Kontrast von Licht und Schatten sowie die verschiedenen Holztöne sind stimmig.

Ein mutiges Bild, das thematisch in die Tiefe geht und dabei trotzdem ganz einfach bleibt. Platz 2 für

diesen Spagat! Wir drücken die Daumen, dass euer Wirtshaus auch noch die nächsten 150 Jahre und darüber hinaus besteht, Nadine!

 

3. Platz: „WHAT LIES AROUND THE BEND“ von Korbinian Blendl aus Neunburg vorm Wald

 

 

Jurybegründung:

Die Bilderserie „What lies around the bend“ von Korbinian Blendl aus Neunburg vorm Wald zeichnet das Portrait einer Generation mit dem Charme vergangener Zeiten. Thematisch ist diese Bilderserie ein Volltreffer – Das schwarz-weiß Bild steht für die Vergangenheit. Der Blick nach vorne im zweiten Bild für das Heute und die abstrakte Darstellung der Straße im dritten Bild für die Zukunft.

Besonders wenn die Bilder nebeneinander zu sehen sind, überzeugt die schlüssige Zusammenstellung. Die Ähnlichkeit der Kurven im ersten und dritten Bild sowie das mittig zentrierte Fenster sind präzise ausgewählt und bilden einen wunderschönen „Rahmen“. Diese kompositorische Meisterleistung zeichnen wir mit dem dritten Platz aus. Gratulation!

 

Publikumspreis: „BEGLEITENDER FLÜGEL“ von Hanna Orthuber aus Regensburg

 

 

Besondere Anerkennung

 

„ZEITBILD“ von Johannes Schiller aus Dengling

 

 

Jurybegründung:

Knapp an einem Preis vorbeigeschrammt ist die Bilderserie „Zeitbild“ von Johannes Schiller. Wir erlauben uns, unseren Kritikpunkt offen anzusprechen: Aus unserer Sicht hätten die ersten beiden Tableaus gereicht, das dritte Tableau wirkt sich aus unserer Perspektive eher nachteilig aus.

Trotzdem sind wir beeindruckt von der experimentellen Ästhetik der Bilder und dem Zusammenspiel von Schärfe, Bewegung und Verwischungen. Bitte nimm uns weiterhin auf deiner Bilderreise mit, Johannes!

 

 

!!! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !!!