Digitale Gewalt und Desinformation
Nicht alles, was uns im Netz begegnet, lässt sich auf den ersten Blick richtig einordnen. Manche Inhalte sind offen verletzend, andere wirken zunächst ganz harmlos. Gerade bei digitaler Gewalt und Desinformation lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen.
Digitale Gewalt zeigt sich zum Beispiel durch Beleidigungen, Bedrohungen, Cybermobbing, Stalking oder gezielte Hetze. Auch das Veröffentlichen persönlicher Daten oder das Weitergeben von Bildern ohne Zustimmung gehört dazu.
Weniger offensichtlich sind abwertende oder menschenfeindliche Botschaften, die sich in Memes, Bildern, Kommentaren oder scheinbar harmlosen Inhalten wie Naturvideos verstecken können. Auch sogenannte Dogwhistles spielen dabei eine Rolle. Gemeint sind Begriffe, Symbole oder Anspielungen, die auf den ersten Blick unauffällig wirken. Innerhalb bestimmter Gruppen haben sie jedoch eine abwertende oder menschenfeindliche Bedeutung.
Aber woher kommt Hass eigentlich? Unterschieden wird u.a. zwischen rationalem und irrationalem Hass. Rationaler Hass kann auf eine konkrete Verletzung oder negative Erfahrung zurückgehen. Anders ist es beim irrationalen Hass. Er richtet sich häufig gegen Menschen oder ganze Gruppen, obwohl es gar keine persönlichen Erfahrungen mit ihnen gibt. Hier spielen Vorurteile und Feindbilder eine wichtige Rolle. Sie entstehen nicht einfach so. Das eigene Umfeld, Vorbilder, Medien oder bestimmte Gruppen prägen mit, wie wir andere Menschen wahrnehmen. Solche Vorstellungen können sich über lange Zeit festsetzen (vgl. Josephine B. Schmitt, 2017).
Hinzu kommt das Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören. Ein gemeinsames „Wir“ kann Halt geben, verbinden und Menschen für gemeinsame Ziele zusammenbringen. Doch daraus kann auch ein „Wir gegen die anderen“ werden. Besonders dann, wenn Ängste geschürt werden oder der Eindruck entsteht, andere würden einem etwas wegnehmen. Genau mit solchen Gegensätzen arbeitet manipulative oder populistische Rhetorik.
Dabei muss Gemeinschaft nicht auf Abgrenzung beruhen. Gemeinsame Ziele und echte Begegnungen zwischen unterschiedlichen Menschen können ebenso verbinden. Und manchmal helfen sie dabei, festgefahrene Vorstellungen wieder aufzubrechen.
Auch Desinformation spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Damit sind falsche oder irreführende Informationen gemeint, die bewusst verbreitet werden, um Menschen zu täuschen oder ihre Sicht auf ein Thema zu beeinflussen. Mal handelt es sich um frei erfundene Meldungen, mal um manipulierte Bilder. Oft fehlt einer Aussage auch einfach der entscheidende Zusammenhang. Treffen solche Inhalte auf bereits vorhandene Vorurteile, können sich Feindbilder weiter verfestigen (vgl. Ingrid Brodnig, 2024)
Umgekehrt werden durch hasserfüllte Beiträge häufig auch falsche oder verzerrte Behauptungen weitergetragen. Hass und Desinformation hängen also nicht nur zusammen, sondern können sich gegenseitig verstärken.
Wer sich damit noch etwas genauer beschäftigen möchte, findet hier einen Buchtipp sowie einige Tools und Methoden rund um Sprache, Hass im Netz und Desinformation.
Buchtipp: Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema ist „Wider die Verrohung“ von Ingrid Brodnig. In ihrem Buch spricht sie über Strategien zur Zerstörung von Debatten durch Emotionen und Desinformation und gibt Tipps um auf Emotionalisierung und Desinformation besser antworten zu können. Das Buch kann bei uns kostenfrei ausgeliehen werden. Titel: Wider die Verrohung: Über die gezielte Zerstörung öffentlicher Debatten: Strategien & Tipps, um auf Emotionalisierung und Fake News besser antworten zu können von Ingrid Brodning.
Methoden: Das Projekt fakefrei des JFF- Institut für Medienpädagogik versammelt Tools, Methoden und Impulse zum Thema Desinformation. Durch das ausführliche Filtersystem findest du schnell eine für dich geeignete Methode zum Thema: https://fakefrei.jff.de/
Sprachanalyse: Ein weiteres spannendes Tool ist der Hasskompass, dieses Tool analysiert Texte bzw. digitale Hassrede digitale Hassrede und ordnet sie unter anderem nach Schweregrad, betroffenen Gruppen, sprachlichen Strategien und möglichen rechtlichen Tatbeständen ein. Zudem schlägt es konkrete Gegenrede vor: https://hasskompass.de/app/testen
Serious Game: Wer sich spielerisch dem Thema Desinformation und Verschwörungserzählungen nähern möchte, der kann sich das Spiel Wiebkes wirre Welt anschauen: Wiebkes wirre Welt ist ein interaktives Serious Game über Verschwörungserzählungen, Desinformation und Radikalisierung. Die Spielenden erleben, wie sich die Jugendliche Wiebke durch gezielte Einflussnahme zunehmend radikalisiert, und erhalten dabei durch Expert*innen Hintergrundwissen und Tipps zum Umgang mit Verschwörungsglauben: https://www.bpb.de/lernen/games/gzpb/559372/wiebkes-wirre-welt/
Tipps für Betroffene und weitere Informationen rund ums Thema: toneshift ist ein bundesweites Netzwerk gegen Hass im Netz, digitale Gewalt und Desinformation. Die Plattform bündelt Informationen, Studien sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote und bietet Orientierung für Betroffene, Fachkräfte und alle, die sich gegen Hass im digitalen Raum engagieren möchten: https://toneshift.org/
Quellen:
Schmitt, Josephine B. (2017): Online-Hate Speech: Definition und Verbreitungsmotivationen aus psychologischer Perspektive.
Brodnig, Ingrid (2024): Wider die Verrohung. Über die gezielte Zerstörung öffentlicher Debatten