Ein Blick in die Manosphere
Bei „Jugendarbeit lebt!“, unserem fast monatlich stattfindenden Online-Impulsformat zu Themen aus der Jugendarbeit, haben wir uns mit der Manosphere beschäftigt. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e. V., statt.
Doch was steckt eigentlich hinter der Manosphere? Der Begriff beschreibt ein loses Netzwerk aus Online-Communitys, Foren und Influencern, in denen häufig frauenfeindliche Ansichten und sehr traditionelle Vorstellungen von Männern und Frauen verbreitet werden.
Die Ansichten innerhalb dieser Online-Welt unterscheiden sich teilweise deutlich. Manche Männer fühlen sich durch Frauen und den Feminismus benachteiligt. Andere raten dazu, sich ganz von Frauen und Beziehungen zurückzuziehen, weil diese angeblich nur Probleme mit sich bringen. Wieder andere geben Tipps, wie Männer Frauen beim Dating gezielt beeinflussen oder manipulieren können.
In der Manosphere tauchen häufig Begriffe wie „Red Pill“, „Blue Pill“ und „Black Pill“ auf. Sie stammen aus dem Film Matrix. Wer sich als „redpilled“ bezeichnet, glaubt, die Wahrheit erkannt zu haben: Männer würden durch Frauen und den Feminismus benachteiligt. Als „bluepilled“ gelten diejenigen, die das angeblich nicht durchschauen. Die „Black Pill“ steht für die besonders hoffnungslose Vorstellung, dass vor allem das angeborene Aussehen über den Erfolg bei Frauen entscheidet und sich daran kaum etwas ändern lässt.
Wie groß der Druck rund um das eigene Aussehen werden kann, zeigt auch der Trend „Looksmaxxing“, der seine Wurzeln in der Incel-Szene hat. Vor allem junge Männer versuchen dabei, ihr Aussehen möglichst stark zu verbessern. Gesichter und Körper werden verglichen, bewertet und auf vermeintliche Makel untersucht. Die Methoden reichen von Hautpflege und Fitness bis hin zu gefährlichen Praktiken wie Bone Smashing oder der Einnahme von Hormonen und Medikamenten ohne ärztliche Begleitung. Dahinter steht oft die Vorstellung, besser aussehen zu müssen, um erfolgreich oder überhaupt gut genug zu sein.
Bekannt geworden sind solche Vorstellungen unter anderem durch sogenannte „Manfluencer“. Einer der bekanntesten ist Andrew Tate, der mit seinem Bild vom reichen, erfolgreichen „Alpha-Mann“ und frauenfeindlichen Aussagen viel Aufmerksamkeit bekam. Aber auch Influencer wie Coach Aaron, der Fitness- und Ernährungstipps mit traditionellen Rollenbildern verbindet, oder der Datingcoach Maximilian Pütz verbreiten entsprechende Vorstellungen. Diese Inhalte verbreiten sich auch über Memes, kurze Videos oder die Empfehlungen sozialer Medien. Jugendliche können ihnen so begegnen, ohne gezielt danach zu suchen. Teilweise gibt es auch Überschneidungen mit rechten und rechtsextremen Weltbildern.
Warum kommt das bei jungen Männern an? Weil die Manosphere genau die Fragen aufgreift, die beim Erwachsenwerden oft eine große Rolle spielen: Bin ich attraktiv? Wo gehöre ich hin? Bin ich gut genug? Sie liefert einfache Antworten, vermeintliches Verständnis und das Versprechen, das eigene Leben endlich im Griff zu haben.
Gleichzeitig können genau diese Botschaften neuen Druck erzeugen. Wer ständig hört, dass Männer stark, attraktiv und erfolgreich sein müssen, fühlt sich womöglich erst recht nicht gut genug. Schwäche oder Unsicherheit zu zeigen, passt nicht zu diesem Männerbild. Und wenn für persönliche Enttäuschungen immer wieder Frauen oder der Feminismus verantwortlich gemacht werden, kann daraus Misstrauen oder Wut entstehen. So können sich nicht nur die Vorstellungen von Beziehungen verändern, sondern auch der Blick auf sich selbst und andere Menschen.
Wer sich noch etwas genauer mit der Manosphere beschäftigen möchte, findet hier einige Podcast-Tipps und weitere Materialien zum Reinhören und Weiterlesen.